Pädagogische Grundsätze

Lass mir Zeit

Durch die Schnelllebigkeit in der heutigen Zeit erleben die Kinder viele Reize, die sie nur oberflächlich wahrnehmen können. Der Leitspruch von Maria Montessori „ Lass mir Zeit“ und „Hilf mir es selbst zu tun“ soll uns aufmerksam machen auf Ruhe, Geduld, Sicherheit, Aufmerksamkeit.

Kurz: Dem Kind Zeit für seine Entwicklung zu geben.

Spielen ist die wichtigste Lernform in unserem Kindergarten für die Kinder. Spielen bedeutet für die Kinder Eroberung und Verarbeitung ihrer Umwelt. Im Freispiel können die Kinder alle Fähigkeiten erwerben und ausprobieren, die sie für ihre körperliche und geistige und seelische Entwicklung brauchen. Die Impulse gehen dabei vom Kind aus; wir Erzieherinnen begleiten die Kinder durch Beobachtungen und Ermutigungen

Unser Kindergarten

Der Kindergarten organisiert eine neue Erlebnis und Erfahrungswelt, die über die familiäre hinausgeht. Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Spiel als die für diese Altersstufe grundlegende Lebens- und Lernform. Hierbei wird versucht, vor allen Dingen mit verschiedenen Spielmaterialien in unterschiedlichen Spiel- und Erlebnisgruppen, im Wechsel von Freispiel und von gelenktem Angebot, von Beschäftigungen und Muße, den Kindern einen Erfahrungsraum zu bieten, der eine aktive Auseinandersetzung mit der Umwelt in ihren sozialen und sachlichen Anforderungen ermöglicht.

Die Spielangebote orientieren sich nicht primär an fachlichen Lernzielen, sondern eher an den Lebenssituationen der Kinder. In den zwei bis vier Jahren Kindergartenzeit versuchen wir die Kinder zu den folgenden vier Punkten zu befähigen:

  1. Für sich selbst verantwortlich zu denken, zu handeln und zu entscheiden (Ich-Kompetenz)
  2. Soziale und gesellschaftliche Sachverhalte erfassen zu können; Toleranz, Achtung und Verantwortung mit anderen zu entwickeln (Sozialkompetenz)
  3. Dass die Kinder sich die sachlichen Bereiche der Umwelt erschließen können und dabei urteils- und handlungsfähig sind (Sachkompetenz).
  4. Dass die Kinder Gefühle bei sich und anderen erkennen, zulassen und mit ihnen auseinandersetzen können, die da sind: Angst, Freude, Wut und Trauer (Grundgefühle) (Emotionale Kompetenz).

Ausgang und Mitte unserer Arbeit ist das Kind

Zu jedem Zeitpunkt seiner Entwicklung ist es eine Persönlichkeit, an deren Weiterentwicklung wir eine unterstützende Hilfe sein möchten (vergl. Die Rolle der Erzieherin). Dabei arbeiten wir mit den Stärken des Kindes, nicht gegen seine Schwächen. In dem Maße, wie es gelingt, eine Atmosphäre des Vertrauens zu entwickeln, fühlt sich das Kind akzeptiert. Der Respekt vor den Kindern verbietet es uns, ihnen unsere Weltsicht und unsere Wertmaßstäbe aufzuzwingen. Indem wir uns bemühen Fremdbestimmung zu vermeiden, kann Vertrauen wachsen; und die Kinder haben die Möglichkeit, ihre eigenen Maßstäbe und Grenzen zu erleben.

Wir arbeiten in unserem Kindergarten kindorientiert

Das bedeutet, dass wir den Kindern zuhören, mit Ihren Augen die Dinge der Welt sehen, mit ihnen fühlen und mit ihnen verstehen.

So entwickelt sich eine grundsätzliche Sicherheit in Kindern. Siebeeinflusst die gesamte Entwicklung von Kindern in der Gegenwart und Zukunft maßgeblich. Aus dieser Sicherheit heraus können die Kinder die vier Grundgefühle Angst, Freude, Wut und Trauer wahrnehmen, bemerken und in ihren Möglichkeiten ausleben.

Wir arbeiten in unserem Kindergarten situationsorientiert

Der Situationsansatz ist Grundlage für unser tägliches Handeln. Das bedeutet, das Kind steht im Mittelpunkt unserer Arbeit, mit dem Ziel seine jetzigen und zukünftigen Lebenssituationen zu bewältigen.

Die Erzieherin leitet ihre Ziele und Inhalte aus der Analyse der konkreten Situation des Kindes und der Kindergruppe ab. Kinder lernen in realen Lebenssituationen. Erlebnisse und Fragen der Kinder werden aufgegriffen und Gegenstand des Gruppenlebens.

Die Kinder erhalten die Möglichkeit, Erlebtes zu verstehen und aufzuarbeiten. Eine anregungsreiche Umgebung fördert die Lust der Kinder am Entdecken und Experimentieren. So erschließen sie sich nach und nach unsere Einrichtung und das Umfeld des Kindergartens. Die Erzieherinnen planen nicht für die Kinder, sondern gemeinsam mit ihnen. Die Mitwirkung der Eltern ist dabei selbstverständlich.  

Wir wollen keinen konfliktfreien Kindergarten

Wir möchten Konflikte zulassen, um die Konfliktfähigkeit des Kindes zu fordern und nicht mit einem falschen Harmonieverständnis zu unterdrücken. Es ist notwendig, zusammen mit den Kindern Lösungsmöglichkeiten zu erarbeiten. Aus solchen Konfliktlösungen erlernen die Kinder neue Regeln.

Ein Beispiel: Peter stößt seine Tasse um und der Tee ergießt sich über das Frühstücksbrot von Frauke.

Lösungsmöglichkeit: Peter holt ein Tuch, wischt den Tisch ab und bietet Frauke die Hälfte seines Frühstücks an.

Rücksichtnahme, Verständnis, Wertschätzung u. v. m. sind soziale Kompetenzen, die hier gefördert werden. Ihr Kind lernt in unserer Einrichtung mit ihnen umzugehen. Konflikte schaffen gute Lernerfahrung!

Zwei kurze Hinweise seien uns erlaubt, um Sie, liebe Eltern, zum Weiterdenken anzuregen:

Reibung erzeugt Wärme. Streit hat immer etwas Positives.

Die Rolle des Kindes in der Gruppe

Damit das Kind sich in seiner Person finden und entfalten kann, braucht es ein Gegenüber. Die Einbindung in eine Gruppe ermöglicht dem Kind Kontakte zu schließen und Freunde zu finden. Es soll eine Gemeinschaft erleben, in der es sich selbsteinbringen und Veränderungen schaffen kann, in der es aber auch gilt, eigene Interessen mit denen der Gruppe abzustimmen, Konflikte zu lösen und Kompromisse zu schließen. Um ein solches Gruppengefühl entwickeln zu können, ist es von besonderer Bedeutung, den Wert und Wichtigkeit gemeinsamen Handelns kennen und schätzen zu lernen. Eingebunden in die Gruppekann das Kind durch vielfältige Erfahrungen eigene Fähigkeiten erwerben und weiterentwickeln. Dadurch wird es in die Lage versetzt, die gestellten Anforderungen zu bewältigen. Obwohl Kindergartenarbeit schwerpunktmäßig auf Gruppenarbeit ausgelegt ist, ist es uns wichtig, auf das einzelne Kind einzugehen und in verschiedenen Bereichen (sozial, sprachlich, kognitiv, kreativ, usw.) zu fördern, Defizite im Rahmen unserer Möglichkeiten auszugleichen, und Begabungen zu stärken. Selbstverständlich darf dabei auch jedes Kind im Rahmen der gruppengegebenen Möglichkeiten seine individuellen Phantasiewelten leben. Zur Entwicklung und Stärkung des Selbstbewusstseins gehört es, dass das Kind lernt, sich mit seinen Bedürfnissen mitzuteilen.

Es soll die Möglichkeit haben, sich eine eigene Meinung über seine Erlebnisse zu verschaffen, die es befähigt, selbständig und eigenständig zu handeln und zu entscheiden. Persönlichkeitsentwicklung vollzieht sich immer in der wechselseitigen Beziehung des Kindes mit seinem Umfeld, d. h. mit der Gruppe und den Erzieher/innen. Dabei ist es unerlässlich das Kind in seiner gesamten Persönlichkeit ernst zu nehmen. Grundvoraussetzung für eine entwicklungsgemäße Entfaltung des Kindes ist, dass es sich in unserem Kindergarten wohl fühlt. Deshalb bemühen sich die Mitarbeiter/innen durch Zuneigung, Wärme, Nähe und Geborgenheit eine gute Grundlage für eine positive Persönlichkeitsentwicklung zu schaffen.

Die altersgemischten Gruppen

Wir befürworten altersgemischte Gruppen (3 Jahre bis zur Einschulung), weil sie den Kindern Vorteile bieten, die in altersgleichen Gruppen nicht gegeben sind.

Jedes Kind hat die Möglichkeit, sich seinem Entwicklungsstand entsprechend zu verhalten, ohne „auffällig“ zu sein, da durch unterschiedliche Altersgruppen ein entsprechend großer Verhaltensfreiraum entsteht.

Dem einzelnen Kind wird es dadurch leichter gemacht, die Rollen zu wechseln, um sich entweder mehr an den „Großen“ zu orientieren oder mal zu den „Kleinen“ zu gehören. Altersgemischte Gruppen haben eher einen familienähnlichen Charakter als altersgleiche Gruppen. Dies wirkt sich fördernd auf das Spielverhalten aus.

Das Zusammenspiel von Kindern unterschiedlichen Alters bringt auch unterschiedliche Spielideen, Impulse und Erwartungen an den Spielpartner und die Spielsituation mit sich. Das Kind ist dabei in seiner Ich- und Sozialkompetenz angesprochen und gefordert.

Ohne Regeln geht es nicht - Wozu brauchen wir Regeln?

Ohne Regeln, da sind wir sicher, fallen Gruppen ins Chaos. Wir brauchen Regeln in verschiedenen Zusammenhängen:

  • Regeln bieten Richtlinien und Orientierungshilfe und erleichtern damit das Zusammenleben.
  • Regeln sind für alle da: sie fordern Rücksichtnahme und damit das Sozialverhalten.
  • Regeln schützen vor Gefahrenquellen.
  • Regeln und Konsequenzen helfen, Konflikte bewältigen zu lernen.

Mit der Aufstellung von Regeln ermöglichen wir den Kindern einen konfliktärmeren Umgang miteinander. Die Kinder werden sensibilisiert für einen bewussten Umgang mit Materialien und der Natur.

Gültige Regeln werden immer mit den Kindern entwickelt und besprochen. Wenn man sich an etwas halten soll, muss man verstehen, warum das so sein muss. Kinder beobachten sehr kritisch, ob auch alle sich daran halten, wenn sie einmal eine Regel verstanden und, was noch wichtiger ist, akzeptiert haben! Bei der praktischen Umsetzung ist dann der Einsatz der Erzieherinnen gefragt, damit das Spiel ungestört fortgesetzt werden kann.

Wie planen wir unsere Arbeit?

Wir planen unsere Arbeit anhand der Bedürfnisse und Wünsche der Kinder. Wir beobachten bei jedem einzelnen Kind das Gruppenverhalten, die Spielsituation, die Vorlieben, die Fortschritte, positive und negative Ereignisse etc. Das ist wichtig, um in unserer täglichen Arbeit auch auf das einzelne Kind eingehen zu können, individuelle Hilfestellungen zu geben und die Kinder entsprechend ihrem Entwicklungsstand zu fördern und zu fordern.

Ebenso wichtig ist es aber die Gruppenstruktur zu erkennen, um Angebote, Aktivitäten und Spiele auf die Gruppe abzustimmen. So wird in einer Gruppe mit sehr vielen aggressiven Kindern anders gearbeitet werden (z. B. mehr Bewegungsmöglichkeiten schaffen, mehr in Kleingruppen arbeiten etc.) als in einer Gruppe mit vielen sprachauffälligen Kindern (z. B. mehr Bilderbuchbetrachtungen, mehr Sing- und Sprachspiele etc.).  

Welche Aspekte führen zur Festlegung eines Themas? (Projektarbeit)

  1. Situationsnotwendigkeiten innerhalb der Gruppe abklären ( z. B. gehäufte Konfliktsituationen in der Kleingruppe, Geburt eines Geschwisterkindes)
  2. Anliegen und Vorschläge der Erzieher werden aufgegriffen
  3. Ideen und Wünsche der Kinder werden berücksichtigt
  4. Eltern und Geschwister, Medien und Umwelt nehmen Einfluss
  5. Aktuelle Gegebenheiten wie z. B. der Krankenhausaufenthalt eines Kindes oder Unwetterkatastrophen etc. sind vorrangig (situationsorientierter Ansatz)

Lernbereiche

In unserer pädagogischen Arbeit legen wir besonderen Wert auf:

  • Das Spiel
  • Bewegung
  • Emotionales und soziales Lernen
  • Kognitiver Bereich
  • Mathematisches Grundverständnis
  • Musischer Bereich
  • Kreativer Bereich
  • Sprachverhalten
  • Grob- und Feinmotorik
  • Sinneswahrnehmung
  • Umwelt- und Sachbegegnung
  • Die Vorschularbeit

Die Rolle der Erzieherin

Erziehungsarbeit heißt auch Beziehungsarbeit. Wir möchten uns den Kindern als Bezugsperson im Kindergarten anbieten, die sie in ihrer Entwicklung partnerschaftlich begleiten. Dies geschieht als Ergänzung des elterlichen Erziehungsauftrags in Zusammenarbeit mit der Familie. Ein Kind lernt viel durch Nachahmung und Identifikation. Dabei kommt der Persönlichkeit der Erzieherin in ihrer Vorbildfunktion eine entscheidende Bedeutung zu. Das erfordert Haltung, die von Ehrlichkeit und gegenseitiger Akzeptanz bestimmt ist, die Bedürfnisse des Kindes erkennen aber auch im gegenüber verdeutlichen kann.

Erziehungsarbeit ist sehr vielschichtig. Es gilt durch Beobachtung mögliche Defizite des Kindes zu erkennen, ab auch seine Stärken bewusst zu machen und ihm Hilfestellungen zu geben, die seinem Wunsch nach Selbstfähigkeit entgegenkommen – im Sinne von Maria Montessori: „Hilf mir, es selbst zu tun“.

Die Notwendigkeit, individuelle Bedürfnisse mit den Belangen der Gruppe zu koordinieren, erfordert von der Erzieherin ein hohes Maß an Einfühlsamkeit und Flexibilität. Unser Schaubild soll das pädagogische Spektrum einer Erzieherin sowie ihr weiteres Aufgabenfeld verdeutlichen.  

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